{"id":1155,"date":"2019-07-09T15:21:21","date_gmt":"2019-07-09T13:21:21","guid":{"rendered":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/?p=1155"},"modified":"2019-07-16T15:17:47","modified_gmt":"2019-07-16T13:17:47","slug":"uns-sproch-es-heimat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/2019\/07\/09\/uns-sproch-es-heimat\/","title":{"rendered":"Uns Sproch es Heimat"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Rheinl\u00e4nder:<\/strong> Wie der Name schon sagt, bezeichnet dieser Begriff die rund um den Fluss Rhein lebenden Menschen im Westen der Bundesrepublik. \u00a0So gro\u00df die Region des Rheinlandes geografisch ist, umso kleinteiliger und vielf\u00e4ltiger sind die einzelnen Gebiete und Gemeinden aus denen sie sich zusammensetzt. So geh\u00f6rt die freie Kreisstadt K\u00f6ln, als bev\u00f6lkerungsreichste Stadt NRWs, ebenfalls zur Region des Rheinlands.<\/p>\n<p><strong>Die K\u00f6lner: <\/strong>Dieser Begriff bezeichnet wiederum die in der Stadt K\u00f6ln lebenden Menschen. Und die sind von einem ganz besonderen Schlag.\u00a0\u00a0\u201eSe kalle K\u00f6lsch, wie ihnen dat Mul gewaase es\u201c (sie sprechen K\u00f6lsch, wie ihnen der Mund gewachsen ist), \u201ese fiere Karneval\u201c (sie feiern Karneval) \u201eun se drinke lecker K\u00f6lsch\u201c (und sie trinken leckeres K\u00f6lsch). K\u00f6lsch \u2013 das ist nicht nur ein bekanntes Bier der Region, nein. K\u00f6lsch ist eine Sprache, ein Denken, ein Gef\u00fchl von Heimat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1164\" aria-describedby=\"caption-attachment-1164\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Sprache.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1164\" src=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Sprache-300x268.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"268\" srcset=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Sprache-300x268.png 300w, http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Sprache.png 431w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1164\" class=\"wp-caption-text\">karnevalistisches Graffitie<\/figcaption><\/figure>\n<h2><strong>\u201eUns Sproch es Heimat\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eSprache ist ein Spiegel der eigenen Mentalit\u00e4t und der Art und Weise, wie man sich gerne ausdr\u00fcckt\u201c, sagt Priska H\u00f6flich vom Institut f\u00f6r uns K\u00f6lsche Sproch im Mediapark in K\u00f6ln.\u00a0Dass es \u00fcberhaupt ein Institut gibt, in dem K\u00f6lsch-Seminare angeboten und K\u00f6lsch-Examina abgelegt werden k\u00f6nnen, legt folgende Vermutungen nahe: Es ist den Domst\u00e4dtern wichtig ihre Sprache zu erhalten und weiter zu vermitteln. Aus einem Dialekt wird eine Sprache, aus der Sprache ein Lebensgef\u00fchl, eine Tradition, ja, \u201euns Sproch es irgendwie Heimat\u201c \u2013 wie das Motto der vergangenen Karnevalssaison es so treffend formulierte.<\/p>\n<p>Doch wie kam es dazu?<\/p>\n<h2><strong>\u201eK\u00f6ln war 800 Jahre lang eine freie Reichsstadt mit eigener Stadtmauer, eigenem Markt und florierendem Handel, sodass sich zu dieser Zeit in der Tat eine richtige, eigene Sprache entwickeln konnte\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Der Fluss macht\u2019s: durch die Lage direkt am Rheinufer konnte K\u00f6ln Handel treiben. Und wer viel handeln will, der muss eben mit m\u00f6glichst vielen Menschen gut auskommen. Hierf\u00fcr ist die Sprache der Schl\u00fcssel. Wer sich verst\u00e4ndigen kann, kann miteinander leben,\u00a0arbeiten und handeln.\u00a0\u201eDie Rheinl\u00e4nder haben in ihre Sprache viel von den Leuten aufgenommen, die mit ihnen eng zusammen gewohnt oder gearbeitet haben\u201c, best\u00e4tigt Frau H\u00f6flich.\u00a0Was l\u00e4sst sich also erkennen im Spiegel der K\u00f6lschen Sprache? Vermutlich vor allem eines: Vielfalt.\u00a0In 2000 Jahren Stadtgeschichte ist K\u00f6ln gepr\u00e4gt vom Zuzug und Wegzug der Menschen. Von Handel und Schifffahrt, von R\u00f6mern, Juden und Franzosen \u2013 von Offenheit und Toleranz.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1174\" aria-describedby=\"caption-attachment-1174\" style=\"width: 232px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Bildschirmfoto-2019-07-09-um-15.09.29.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1174\" src=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Bildschirmfoto-2019-07-09-um-15.09.29-232x300.png\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Bildschirmfoto-2019-07-09-um-15.09.29-232x300.png 232w, http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Bildschirmfoto-2019-07-09-um-15.09.29.png 526w\" sizes=\"(max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1174\" class=\"wp-caption-text\">K\u00f6lscher Dialog zum lernen f\u00fcr Kinder<\/figcaption><\/figure>\n<h2>K\u00f6ln war schon immer bunt<\/h2>\n<p>\u201eBeispielsweise ist im R\u00f6misch-Germanischen Museum syrisches Glas ausgestellt. Vor \u00fcber 2000 Jahren haben Syrer also bereits Glas nach K\u00f6ln gebracht. Wer glaubt, Zuzug anderer Kulturen sei ein neues Ph\u00e4nomen im Rheinland, der irrt\u201c, betont Priska H\u00f6flich im Gespr\u00e4ch.\u00a0Auch Gabriele Dafft vom LVR-Institut f\u00fcr Landeskunde und Regionalgeschichte schreibt der K\u00f6lschen Mentalit\u00e4t insbesondere drei Wesensz\u00fcge zu: \u201eGemeinschaftssinn, Toleranz und Offenheit \u2013 und eben nicht dieses Abschottende, was wir aus anderen Regionen kennen\u201c.\u00a0Als Beispiel hierf\u00fcr gibt sie an, man m\u00fcsse nur nach Bayern schauen. Ein bekannter bayrischer Wahlspruch lautet demnach \u201eMia san Mia\u201c, was so viel bedeutet wie \u201ewir sind wir\u201c. Ein sehr identit\u00e4tsstiftender Ausspruch.\u00a0In K\u00f6ln hingegen hei\u00dft es oft \u201edrink doch ene met\u201c, \u00fcbersetzt: \u201etrink doch einen mit\u201c, aus einem bekannten K\u00f6lschen Song der Gruppe Bl\u00e4ck F\u00f6\u00f6ss. Wo die einen sich also nach au\u00dfen hin abgrenzen, laden die anderen Au\u00dfenstehende ein, sich dazu zu gesellen.\u00a0Mit Sprache kann man sich also sowohl von anderen abheben, als auch andere in eine Sache mit einschlie\u00dfen \u2013 oder eben ausschlie\u00dfen. Ver\u00e4ndert die Art wie wir Sprechen und uns ausdr\u00fccken unser Denken, oder unsere Einstellung zum Leben?<\/p>\n<figure id=\"attachment_1165\" aria-describedby=\"caption-attachment-1165\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Garagentor.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1165\" src=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Garagentor-300x182.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"182\" srcset=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Garagentor-300x182.png 300w, http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/Garagentor.png 744w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1165\" class=\"wp-caption-text\">K\u00f6lsches Garagentor<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Nix bliev et wor<\/h2>\n<p>\u201eNix bliev wie et wor&#8220; oder\u201eJede Jeck es anders\u201c &#8211; diese Paragraphen aus dem so genannten k\u00f6lschen Grundgesetz, schildern die Offenheit des k\u00f6lschen Charakters schon ganz gut\u201c, so H\u00f6flich. Eine Laissez-faire Attitude, die den K\u00f6lnern sehr oft nachgesagt wird. Laissez-faire: ist das nicht eigentlich franz\u00f6sisch?\u00a0Korrekt! Innerhalb der 14-j\u00e4hrigen Besatzung unter Napoleon und sp\u00e4ter w\u00e4hrend des zweiten Weltkrieges haben auch die Franzosen dem Rheinland ihren Stempel aufgedr\u00fcckt.<\/p>\n<h2>Mach mir keine fiesen Matenten!<\/h2>\n<p>So gibt es heute immer noch lustige, verf\u00e4lschte Ausspr\u00fcche die auf diese Zeit zur\u00fcck zu f\u00fchren sind. Ein bekanntes Beispiel hierf\u00fcr ist der Spruch \u201eMach mir keine fiese Matenten!\u201c, den Eltern ihren Kindern \u2013 und vor allem V\u00e4ter ihren T\u00f6chtern\u00a0\u2013 in und um K\u00f6ln gerne mit auf den Weg geben.\u00a0Dieser r\u00fchrt aus der Zeit der franz\u00f6sischen Besatzungszone w\u00e4hrend des zweiten Weltkrieges, in der franz\u00f6sische Soldaten um netten Damenbesuch bem\u00fcht waren und die K\u00f6lner Junggesellinnen mit dem Satz \u201eVisite ma tente\u201c, was so viel bedeutet wie \u201ebesuch mein Zelt\u201c in ihre Zelte einzuladen versuchten.\u00a0Nat\u00fcrlich ganz zum Leidwesen ihrer V\u00e4ter, die des Franz\u00f6sischen oft nicht m\u00e4chtig waren, und ganz in K\u00f6lscher, praktischer Manier den Satz ins K\u00f6lsche \u00fcbertrugen und zur Mahnung aussprachen: \u201eMach mir keine fiese Matenten!\u201c. \u201eSo wie die rheinische Frohnatur ist, so dr\u00fcckt sie sich auch aus und tats\u00e4chlich kann man viele emotionale \u00c4u\u00dferungen sehr sch\u00f6n auf K\u00f6lsch ausdr\u00fccken\u201c, erkl\u00e4rt Priska H\u00f6flich.\u00a0Man denke nur an den oft in K\u00f6lschen Liedern auftauchenden Satz \u201eDu bis ming H\u00e4tz\u201c, was so viel bedeutet wie \u201eDu bist mein Herz\u201c, oder aber den zuversichtlichen Spruch \u201eEs h\u00e4tt noch immer jot jejange\u201c, zu deutsch \u201eEs ist noch immer gut gegangen\u201c aus dem K\u00f6lschen Grundgesetz. Unkompliziert, wenig schn\u00f6rkelig, direkt, einfach und doch so einpr\u00e4gsam herzlich.\u00a0Nicht umsonst sind aus vielen K\u00f6lschen Liedern und Spr\u00fcchen regelrechte Hymnen und Parolen geworden die, gerne in passenden Momenten hervor gekramt werden.<\/p>\n<h2>&#8222;In k\u00f6lschen, sprichw\u00f6rtlichen Redensarten verdichtet sich Mentalit\u00e4t&#8220;<\/h2>\n<p>So sieht es auch Gabriele Dafft vom LVR-Insitut: \u201eMan beobachtet in K\u00f6ln also auch in der Tat, dass die Redewendungen, die unter anderem aus dem K\u00f6lschen Grundgesetz stammen, angewendet werden und sozusagen aus der Schublade geholt werden wo immer sie passen.\u201c\u00a0F\u00fcr sie ist klar: \u201eDurch das Sprechen der K\u00f6lschen Sprache und der breiten Verwendung des Dialekts in der Region, l\u00e4sst sich eben auch ableiten, dass sich viele gerne die k\u00f6lschen Tugenden zu eigen machen wollen.\u201c Tugenden, Eigenschaften \u2013 sie werden \u00fcber Sprache transportiert. Sprache ist der Schl\u00fcssel zum Denken, zur Mentalit\u00e4t und \u201ein k\u00f6lschen, sprichw\u00f6rtlichen Redensarten verdichtet sich Mentalit\u00e4t\u201c, so Dafft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1166\" aria-describedby=\"caption-attachment-1166\" style=\"width: 199px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/K\u00f6lschesGG.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1166\" src=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/K\u00f6lschesGG-199x300.png\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/K\u00f6lschesGG-199x300.png 199w, http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/eingeveedelt\/wp-content\/uploads\/sites\/139\/2019\/07\/K\u00f6lschesGG.png 586w\" sizes=\"(max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1166\" class=\"wp-caption-text\">K\u00f6lsches Grundgesetz<\/figcaption><\/figure>\n<h2>In Vielfalt geeint<\/h2>\n<p>Uns Sproch es Heimat \u2013 genau so lebendig wie Sprache ist, ist auch der Begriff der Heimat ein wandelbarer, denn: \u201eNix bliev wie et wor\u201c! Das ist auch gut so, denn dies ist die Tradition des Rheinlands, die Tradition der Domstadt: der Wandel.\u00a0Und so trifft auf K\u00f6ln und K\u00f6lsche Sprache das Motto der Europ\u00e4ischen Union ganz gut zu, denn die Region, die Menschen und ihre Sprache sind geeint in Vielfalt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rheinl\u00e4nder: Wie der Name schon sagt, bezeichnet dieser Begriff die rund um den Fluss Rhein lebenden Menschen im Westen der Bundesrepublik. \u00a0So gro\u00df die Region des Rheinlandes geografisch ist, umso kleinteiliger und vielf\u00e4ltiger sind die einzelnen Gebiete und Gemeinden aus denen sie sich zusammensetzt. 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