{"id":155,"date":"2020-01-15T04:51:55","date_gmt":"2020-01-15T03:51:55","guid":{"rendered":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/?p=155"},"modified":"2020-01-15T04:51:55","modified_gmt":"2020-01-15T03:51:55","slug":"soundscapes-volume-1-support-your-locals","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/2020\/01\/15\/soundscapes-volume-1-support-your-locals\/","title":{"rendered":"Soundscapes Volume 1: Support your Locals"},"content":{"rendered":"\n<p>Es regnet in Str\u00f6men. Der \u00fcberdachte Teil vor der Eingangst\u00fcr\nist klein, er gen\u00fcgt vielleicht f\u00fcr drei oder vier Personen. Ich lehne mich\ngegen die Wand, warte auf erste Ger\u00e4usche aus dem Innenraum. In der Ferne\ntauchen zwei Gestalten auf. Der eine mit langen grauen Haaren, die mit seinem\nBart verschmelzen und sein sichtlich kleinerer Kollege, stehen beide kurz vor\ndem Eintritt ins Rentenalter. Wir begr\u00fc\u00dfen uns per Handschlag. \u201eMieses Wetter heute,\nhmm\u2026 habt ihr die Gruppe schonmal live gesehen?\u201c, frage ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauert noch eine ganze Weile bis sich der B\u00fcrgersteig um\ndie T\u00fcr herum f\u00fcllt. P\u00fcnktlich um 19 Uhr rumpelt es hinter der dicken Holzt\u00fcr. Das\nSchild \u00fcber unseren K\u00f6pfen beginnt zu leuchten: \u201eMusiktheater Piano\u201c. Der Chef\ndes Dortmunder Clubs \u00f6ffnet die T\u00fcr und bittet die ihn l\u00e4ngst bekannten\nGesichter hinein. Auf mein Ticket schaut er mittlerweile nicht mehr, man kennt\nsich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe vorbei an der Bar, und \u00fcberhole jeden, der sich\nnoch an der Garderobe aufh\u00e4lt. Wer seine Jacke abgibt, verliert kostbare\nSekunden. Der Trick ist, sich eine d\u00fcnnere Jacke f\u00fcr das Event einzupacken und\ndiese dann drinnen um sich zu binden. Zugegeben, im Piano ist das Publikum\nnicht mehr so schnell und der Kampf um die erste Reihe ein leichter. Dennoch habe\nich mir diese Mechanismen \u00fcber die Zeit angew\u00f6hnt. Fr\u00fcher h\u00e4tte ich auch nie\nriskiert, an der Location noch etwas zu trinken. Auch wenn die Kellner hier\nrumgehen, gibt es immer noch das Problem seinen Platz zu verlassen, um mal aufs\nKlo zu gehen. Ein Risiko, das nicht einzugehen ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Konzert vom bestm\u00f6glichen Platz zu sehen, ist f\u00fcr mich\nwichtig. Nur von vorne kann ich die Handgriffe der Musiker sehen und mir ein\nkomplettes Bild machen. Ein Drumsolo zu h\u00f6ren, ohne die wirbelnden Arme und das\nverschwitzte Gesicht zu sehen\u2026 das w\u00e4re grade mal die H\u00e4lfte wert. Das\nAdrenalin der Musiker, der Zauber der Band \u00fcbertr\u00e4gt sich m\u00fchelos auf alle, die\nso nah am Geschehen sind. Raum und Zeit verlieren sich, wenn die solierende\nGitarre sich \u00fcber das gesamte Blickfeld erstreckt. Immer wieder blicke ich nach\nlinks und rechts und jeder hier ist sich einig, Zeuge eines wundervollen Abends\nzu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Momente wie diese sind es, die Live-Musik ausmachen. Ins\nDortmunder Piano zu gehen ist f\u00fcr mich ein besonderes Ritual. Wenn ich die Konzertkarten\nan meiner Wand z\u00e4hle, dann sind dort \u00fcber 30 aus diesem Club. Die Bands die\nhier spielen sind meist irgendwo zwischen Blues und Rock anzusiedeln aber in\nletzter Zeit versucht man sich auch an moderneren Stilen. Etwa dreimal die Woche\nspielen hier Gruppen und nach all meinen Besuchen gab es keinen Abend, der es\nnicht wert war. Die Bands lieben das alte Theater und seinen hohen gew\u00f6lbten\nRaum, der etwa 400 Leute beherbergen kann. Links von der B\u00fchne wacht ein\nriesiges Portrait von Jimi Hendrix \u00fcber ihre Machenschaften. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesichter in den ersten Reihen sind immer die gleichen. Vor\nden Auftritten werden Anekdoten ausgetauscht, Hoffnungen an den Abend gestellt\nund die Vorfreude gesch\u00fcrt. Einen Platz halten wir f\u00fcr den Fotografen frei,\nauch er ist ein alter Bekannter. Alt ist ein gutes Stichwort, denn auch wenn\nhier mal Newcomer spielen, das Alter des Publikums ist hoch genug, dass ich den\nSchnitt kaputt mache. Die alten Genres bewegen oft nur die betagteren Menschen\naus ihrer Wohnung. F\u00fcr mich sehr gut, denn sie sind keine Konkurrenz, wenn es\num die besten Pl\u00e4tze geht. Trotzdem macht es mir Sorgen, dass es an Nachschub\nfehlt. Manchmal spielen motivierte Bands vor einer Handvoll alter M\u00e4nner. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch egal, wie der Abend lief: Nachdem die verschwitzte\nGruppe durch die T\u00fcr verschwunden ist, kommt sie etwas sp\u00e4ter zur\u00fcck. Wer Autogramme,\nBilder oder das Gespr\u00e4ch suchen m\u00f6chte, der bekommt diese Chance auch. Diese\nM\u00f6glichkeit bietet sich bei keiner Arena- oder Stadiontour. Nur wer den Abend\nin der schwitzenden Menge, hautnah am K\u00fcnstler erlebt hat, kann sie nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Soviel Spa\u00df es auch macht die ber\u00fchmtesten Stars mal zu\nerleben, so sehr bleibe ich dabei, dass ein Clubkonzert am Ende das intimere\nErlebnis ist. Wenn ich den Bassisten am Ende noch fragen kann, wie er diesen\noder jenen Sound hinbekommen hat und er zur B\u00fchne springt und mir sein Effektpedal\nvor die Nase h\u00e4lt, dann sind das die markanten Momente des Abends. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine Band live zu sehen, ver\u00e4ndert auch meine Wahrnehmung der\nStudioalben. Auf einmal habe ich bei den Liedern das Bild im Kopf, wie der\nS\u00e4nger verschwitzt ins Mikro schreit und im n\u00e4chsten Moment seinen Gitarristen\nanfeuert. Die St\u00fccke werden automatisch emotionaler. Der warme,\numherschwirrende Klangteppich einer Orgel oder die Bassdrum-Schl\u00e4ge, die ich am\nkompletten K\u00f6rper sp\u00fcre, bleiben mir im Ged\u00e4chtnis. Zuhause l\u00e4uft nun also immer\nnoch der gleiche Song aber in meinem Kopf spiegelt sich darin die ganze\nGeschichte des Konzertabends. So wird gute Musik, noch besser.<\/p>\n\n\n\n<p>Konzerte sorgen f\u00fcr mehr Verbundenheit mit der Musik. Sie\nmachen fremde K\u00fcnstler zu Freunden und sind f\u00fcr mich wie Urlaub. Selbst das\nstundenlange Warten vor Beginn geh\u00f6rt einfach dazu. Es ist ein Ritual. \n\nClubs wie das Piano gibt es in jeder Stadt. Auch in\nK\u00f6ln sind viele kleinere Veranstalter, die eure Aufmerksamkeit verdienen. Also\nnutzt eure M\u00f6glichkeiten und \u201eSopport your Locals\u201c! Holt euch Konzertkarten\nverg\u00fcnstigt vor Ort, trinkt am Abend dort ein Bier und genie\u00dft die Besonderen\nMomente, die ihr mit Gleichgesinnten dort erleben k\u00f6nnt.\n\n\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nEs regnet in Str\u00f6men. Der \u00fcberdachte Teil vor der Eingangst\u00fcr ist klein,&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/2020\/01\/15\/soundscapes-volume-1-support-your-locals\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Soundscapes Volume 1: Support your Locals&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":221,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pbpTnb-2v","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/155"}],"collection":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/221"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=155"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":156,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/155\/revisions\/156"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}