{"id":349,"date":"2020-02-14T05:31:47","date_gmt":"2020-02-14T04:31:47","guid":{"rendered":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/?p=349"},"modified":"2020-02-14T05:31:47","modified_gmt":"2020-02-14T04:31:47","slug":"good-things-gone-bad-der-nerd-rant-blog-8-die-hobbit-trilogie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/2020\/02\/14\/good-things-gone-bad-der-nerd-rant-blog-8-die-hobbit-trilogie\/","title":{"rendered":"Good things gone bad \u2013 Der Nerd-Rant-Blog #8: Die Hobbit-Trilogie"},"content":{"rendered":"\n<p>Fortsetzungen und Vorgeschichten zu von Fans liebgewonnenen Trilogien scheinen ein Fluch zu sein. Als fast ein Jahrzehnt nach dem Abschluss der Herr-der-Ringe-Verfilmungen bekannt wurde, dass es nun doch ein Hobbit Prequel geben soll, zeigten sich Kritiker und Fans verhalten. Vor der filmischen Umsetzung von Herr der Ringe gab es bereits in den fr\u00fchen 1990ern Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Hobbit-Film, der den ersten Teil einer Herr-der-Ringe-Reihe bilden sollte. Damals konnten sich New Line Cinema und Peter Jackson jedoch nicht die Rechte von Weinstein sichern. Diese liefen 2010 ab und so wurde der Plan gefasst, mit Guillermo del Toro als Regisseur eine Verfilmung mit einem frischen Blick auf Mittelerde zu wagen. Jackson war nicht an der Rolle als Regisseur interessiert, da er im Hinblick auf den Erfolg von Herr der Ringe nicht im Wettbewerb mit sich selbst stehen wollte. Obwohl er anfangs gar nichts mit der Hobbit-Verfilmung zu tun haben wollte, steigt er schlie\u00dflich doch als Mitautor ins Boot.  <\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich war die Verfilmung als ein Zweiteiler angedacht. Im ersten Teil sollte die Reise Bilbos aus seiner Sicht erz\u00e4hlt werden, die Fortsetzung sollte parallel laufende Handlungen zeigen. Aufgrund einer Vielzahl von Verz\u00f6gerungen im Schreibprozess verl\u00e4sst del Toro 2010 das Projekt und Peter Jackson \u00fcbernimmt neben der Rolle des Produzenten und Autors auch die des Regisseurs. Mit Jackson als Autor kommt es zu gravierenden \u00c4nderungen: So wird etwa die Geschichte linear strukturiert, die Schlacht der f\u00fcnf Armeen wird ins Skript geschrieben und es kommt ein dritter Teil hinzu.  <\/p>\n\n\n\n<p>Der j\u00e4hrliche Herr-der-Ringe-Marathon der Extended Director\u2019s Cut Edition zur Weihnachtszeit hat seit meiner Kindheit Tradition. Die Trilogie ist darum auch mit einem besonderen sentimentalen Wert verbunden. Der Hobbit verspricht als Abenteuer-Epos in die Fu\u00dfstapfen des Fantasy-Klassikers zu treten \u2013 doch entpuppt sich als \u201ehot mess\u201c. Anstatt auf viele Kleinigkeiten einzugehen, nehme ich mir vier \u00dcberpunkte heraus, die gut illustrieren, warum der Hobbit einen bitteren Nachgeschmack hinterl\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<p>Punkt 1: Charaktere, die austauschbar sind. Was in Herr der Ringe die neun Gef\u00e4hrten sind, sind im Hobbit die dreizehn Zwerge. Mit dem Unterschied, dass der Zuschauer keinerlei Verbindung mit den Zwergen aufbaut, die durch einen Gro\u00dfteil der Handlung f\u00fchren. Doch auch nach fast zw\u00f6lf Stunden erinnere ich mich nicht mal an die H\u00e4lfte der Namen der Zwerge, geschweige denn sagen, was ihren Charakter ausmacht. Es existieren weder Setups noch Pay-offs, um die Zwerge zumindest auseinander halten zu k\u00f6nnen. Ich lerne nichts \u00fcber die Beziehungen der Zwerge untereinander, ihre pers\u00f6nlichen Motivationen. Bis auf zwei, drei Zwerge bleibt jeder in der Gruppe austauschbar.  <\/p>\n\n\n\n<p>Punkt 2: die grausamen Actionszenen. \u00c4hnlich wie Musicaleinlagen in Filmen sind auch Actionszenen nur dann gut, wenn sie den Plot vorantreiben. Eine gute Actionszene gibt etwas \u00fcber Charaktere preis, l\u00e4sst diese eine Lektion lernen und sind nicht blo\u00dfes \u00e4sthetisches Spektakel. Doch genau das ist im Hobbit der Fall. Die Action passiert ohne Setup und hat keine Konsequenzen f\u00fcr den Verlauf der Geschichte. Eine Vielzahl der Actionszenen k\u00f6nnte komplett gestrichen werden, ohne dass es Einfluss auf den Plot h\u00e4tte. Nicht nur die Irrelevanz ist ein Problem, sondern auch die fehlende Spannung. Um Spannung aufzubauen, muss die Gefahr f\u00fcr den Zuschauer sp\u00fcrbar werden. Wenn er sich fragt, was als n\u00e4chstes passiert, f\u00e4ngt die Vorstellungskraft an zu arbeiten. Diese Zeit wird den Actionszenen im Hobbit nicht gelassen. Stattdessen folgt auf ein Problem im n\u00e4chsten Schnitt sofort die L\u00f6sung des Problems. Es existieren weder ein Spannungsaufbau noch kontrastierende Entspannungsmomente. Charaktere gelangen so nie wirklich in ausweglose Situationen und dem Zuschauer wird M\u00f6glichkeit zum Aufbau von emotionaler Verbundenheit gegeben. <\/p>\n\n\n\n<p>Punkt 3: Handlungsstr\u00e4nge werden nicht aufgel\u00f6st. Teilweise verschwinden Charaktere, denen mehr Screentime geschenkt wurde, als manchen der Hauptcharaktere einfach, ohne dass das Handeln des Charakters weiter aufgegriffen wird. F\u00fcr eine Vielzahl an Handlungen existiert weder ein Nachspiel noch eine Aufl\u00f6sung. Bestes Beispiel daf\u00fcr: der Arkenstein. Mehrere Stunden der Trilogie werden damit zugebracht, den Stein aufzufinden. Die Protagonisten setzten sich und ihren Freunden lebensgef\u00e4hrlichen Situationen aus, aber was mit dem Arkenstein am Ende passiert wird nicht einmal aufgekl\u00e4rt. Er verschwindet einfach in der Jackentasche des Zwergs Bard. Weitere andere zentrale Konflikte werden ebenso nicht aufgel\u00f6st. Bekommen die B\u00fcrger von Seestadt das Gold, dass sie zum \u00dcberleben brauchen? Kommt Thranduil an das wei\u00dfe Gold, f\u00fcr dass er seine Armee riskiert hat?  <\/p>\n\n\n\n<p>Punkt 4: eine schlecht geschriebene Romanze. Die Elbin Tauriel existiert in Tolkiens Werken nicht. Peter Jackson schrieb sie als Antwort auf die eher sp\u00e4rlich vorkommenden weiblichen Charaktere in die Geschichte herein. Einen substantiellen Teil zum Plot tr\u00e4gt sie jedoch nicht bei: es bleibt bei der Reduzierung ihres Charakters auf eine Dreiecksbeziehung zwischen ihr, dem Elben Legolas und dem Zwerg Kili. Die Romanze ist ein Subplot, der f\u00fcr den restlichen Verlauf der Filme vollkommen unerheblich ist. Denn sowohl die Romanze scheitert, als auch das Vorankommen von Legolas\u2018 Charakter. Kilis und Tauriels unsterbliche Liebe beschr\u00e4nkt sich auf wenige Blicke und ausgetauschte Floskeln. Die Rechtfertigung dieser Dreiecksbeziehung speist sich laut Jackson einzig aus dem Grund, dass ein pers\u00f6nlicher Grund gefunden werden musste, aus dem Legolas eine Abneigung gegen\u00fcber Kili empfindet. <\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt f\u00fchlt es sich an, als wisse Jackson nicht so recht, welchen Ton er im Hobbit einschlagen wollte. In einem Moment ist es das farbenfrohe M\u00e4rchen, im n\u00e4chsten ein d\u00fcsterer Fantasy-Epos. Die Filme wirken nicht nur untereinander fragmentiert, sondern auch in sich. Vielleicht wollte Jackson mit Herr der Ringe mithalten und versuchte darum, alles epischer zu machen. Neue Technik, ein gr\u00f6\u00dferes Budget, als das tr\u00e4gt mit bei zur falschen Aufgeblasenheit der Trilogie. Das CGI wirkt zu exzessiv, die Aufnahme mit doppelter Bildrate in digitalem 3D mindert den Zauber, verpasst allem einen Look, der zu echt wirkt. In Herr der Ringe wurde oft mit Miniatursets und praktischen Effekten gearbeitet, um auf CGI zu verzichten.  Vielleicht kann Peter Jackson auch gar nicht die Schuld an dem Debakel gegeben werden. Vielleicht hat er trotz Zeitdrucks des Studios und deutlich weniger Zeit (zwei Monate Zeit zur Vorproduktion, statt mehr als drei Jahre wie f\u00fcr Herr der Ringe) versucht, das Beste aus der Situation zu machen. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nFortsetzungen und Vorgeschichten zu von Fans liebgewonnenen Trilogien scheinen ein Fluch zu&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/2020\/02\/14\/good-things-gone-bad-der-nerd-rant-blog-8-die-hobbit-trilogie\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Good things gone bad \u2013 Der Nerd-Rant-Blog #8: Die Hobbit-Trilogie&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":209,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pbpTnb-5D","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/349"}],"collection":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/209"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=349"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/349\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":350,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/349\/revisions\/350"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju15d-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}