{"id":615,"date":"2020-02-09T13:05:07","date_gmt":"2020-02-09T12:05:07","guid":{"rendered":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/?p=615"},"modified":"2021-11-08T21:20:38","modified_gmt":"2021-11-08T20:20:38","slug":"ich-bin-in-schlechter-gesellschaft-wenn-ich-alleine-bin-nie-mehr-modusmio","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/2020\/02\/09\/ich-bin-in-schlechter-gesellschaft-wenn-ich-alleine-bin-nie-mehr-modusmio\/","title":{"rendered":"&#8222;Ich bin in schlechter Gesellschaft, wenn ich alleine bin&#8220; &#8211;  &#8222;Nie mehr ModusMio!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Solokarrieren sind meistens schwierig zu stemmen. Besonders wenn man zuvor einer Gruppe angeh\u00f6rt hat und sich dann selbstst\u00e4ndig machen m\u00f6chte. So auch Tarek, der ein Teil der deutschen Rap-Gruppe K.I.Z. ist. Oder war? Mit seinem ersten eigenen Projekt startet der Rapper nun alleine durch. Gelingt ihm das und spaltet er sich von seinen Kollegen ab oder bleibt er der eher anst\u00f6\u00dfigen Linie der Gruppe treu? Und ist das Album wirklich so d\u00fcster wie es angek\u00fcndigt wurde?<\/em><\/p>\n\n\n\n<h5>Wer ist Tarek K.I.Z.?<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Viele Fans von K.I.Z. waren sichtlich \u00fcberrascht als einer ihrer Member ank\u00fcndigte ein eigenst\u00e4ndiges Album zu ver\u00f6ffentlichen. <em>Tarek<\/em> aka <em>Tarek K.I.Z.<\/em> aka <em>der Nubische Prinz<\/em> (b\u00fcrgerlich: Tarek <em>Eb\u00e9n\u00e9<\/em>) lie\u00df die Bombe im Herbst vergangenen Jahres platzen. <strong>&#8222;Golem&#8220;<\/strong> solle es hei\u00dfen und es sei keinerlei Fake-Promotion f\u00fcr den K\u00fcnstler oder seine Gruppe, was jedoch viele vermuteten, da man schon lange nichts musikalisches von den Berlinern geh\u00f6rt hatte. Doch<em> Tarek<\/em> meinte es ernst und tut es nun auch nach Albumrelease, am 31. Januar 2020, immer noch. Seit 20 Jahren sind K.I.Z. im Deutsch-Rap-Game unterwegs und sind dort auch schon lange nicht mehr wegzudenken. Die Gruppe ist schon l\u00e4ngst Kult und absolut einzigartig im Gegensatz zu anderen Rappern in Deutschland. <em>Tarek<\/em> wurde 1986 oder 1987 (nicht offiziell best\u00e4tigt) in Freiburg im Breisgau geboren und ist Sohn einer Deutschen und eines Kameruners. Er wuchs sechs Jahre bei seiner Mutter in Valencia auf, ehe er im Jahr 2000 zu seinem Vater nach Berlin zog. Dort gr\u00fcndete er gemeinsam mit <em>Nico K.I.Z.<\/em> und <em>Maxim K.I.Z. <\/em>das gleichnamige Rap-Kollektiv. Ihre K\u00fcnstlernamen haben die drei seitdem auch nie g\u00e4nzlich ver\u00e4ndert, wodurch die Verbundenheit zu den jeweils anderen der Gruppe deutlich wird. Dies zeigt sich auch auf Tareks erstem Soloalbum.<\/p>\n\n\n\n<h5>   Tracklist<\/h5>\n\n\n\n<ol><li>Ticket hier raus<\/li><li>Bang Bang<\/li><li>Nach wie vor<\/li><li>Kaputt wie ich<\/li><li>Letzte Chance<\/li><li>Wenn du stirbst<\/li><li>Liebe<\/li><li>K.I.Z. f\u00fcr immer feat. Nico K.I.Z. &amp; Maxim K.I.Z. <\/li><li>Nubischer Prinz feat. Miss Platnum<\/li><li>Wei\u00dfer Drache<\/li><li>Freak<\/li><li>Fr\u00fchlingstag<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Wie bereits beim Album von <em>Genetikk<\/em> thematisiert, handelt es sich bei diesem Album mit 12 Songs auch um ein kleineres Album und keiner besonderen Vielfalt. Auf den ersten Blick.<strong> Ticket hier raus<\/strong>, <strong>Bang Bang<\/strong>, <strong>Nach wie vor<\/strong>, <strong>Kaputt wie ich<\/strong> und <strong>Liebe<\/strong> waren bereits vor der Ver\u00f6ffentlichung des Albums als Singleauskopplungen f\u00fcr die H\u00f6rer zug\u00e4nglich. Zu allen Singles wurden zudem Musikvideos ver\u00f6ffentlicht, die, wie man es von der Berliner Gruppe zuvor auch gewohnt war, alle sehr aufwendig produziert wurden und fast schon mit Kurzfilmen gleichzusetzen sind. Vor allem <strong>Bang Bang<\/strong> zeigt, dass <em>Tarek<\/em> seinen K.I.Z.-Wurzeln treu bleibt und wie gewohnt anst\u00f6\u00dfige und polarisierende Texte verfasst. Hier wird beispielsweise ein Anschlag auf den\/einen Kanzler thematisiert und wie unberechenbar <em>Tarek<\/em> bzw. das lyrische Ich ist. <strong>Ticket hier raus<\/strong> und<strong> Kaputt wie ich<\/strong> sind im Vergleich dazu eher melancholisch angehaucht. Im ersten Track des Albums beschreibt <em>der Nubische Prinz<\/em> eine gew\u00f6hnliche Bahnfahrt, fokussiert sich dabei jedoch auf die negativen Dinge, die ihm begegnen, wie eine Frau mit Kinderwagen, der nicht geholfen wird, weil sie zu h\u00e4sslich ist oder wie ein Mann neben ihm wegrutscht weil er nicht m\u00f6chte, dass er in seiner Zeitung mit lie\u00dft, da er sich durch seine Anwesenheit beklaut f\u00fchlt. Auch in <strong>Kaputt wie ich<\/strong> (mein pers\u00f6nlicher Favorit des Albums) schafft <em>Tarek<\/em> es, eine, auf den ersten Blick, &#8222;normale&#8220; Party-Nacht in Berlin lyrisch so sch\u00f6n zu umschreiben und zu paraphrasieren, dass man zun\u00e4chst gar nicht von solchem ausgeht. Der Track handelt von einer Nacht zweier Menschen, die in Berlin feiern und unter Drogeneinfluss gemeinsam in ein Hotel fahren, nur um danach miteinander zu schlafen. Dabei beschreibt der Rapper die beiden Protagonisten als gebrochen, verlassen und einsam. Die Begegnung soll beiden schmerzlindernd erscheinen und von ihren jeweiligen Sorgen ablenken. Vor allem die beschriebene Einsamkeit bringt der K\u00fcnstler mit seinen Zeilen treffend auf den Punkt. So k\u00f6nnte die Folgende nicht nur einen seelischen Konflikt beschreiben, sondern auch eine versteckte Botschaft an seine Fans, bez\u00fcglich der Situation mit seinen K.I.Z.-Kollegen, sein:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large\"><p><strong>&#8222;Ich bin in schlechter Gesellschaft, wenn ich alleine bin.&#8220;<\/strong><\/p><cite>aus: &#8222;Kaputt wie ich&#8220;<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em>Tarek<\/em> war schon immer derjenige im K.I.Z.-Kosmos, der eine eher melancholische und traurige Seite an sich hatte. Und diese l\u00e4sst er, bis auf einzige Ausnahmen, wie <strong>Nubischer Prinz<\/strong>, <strong>Bang Bang<\/strong>,<strong> Freak<\/strong> und <strong>K.I.Z. f\u00fcr immer<\/strong>, auf diesem Album endlich vollkommen raus. Im Vordergrund stehen hierbei Themen, wie Selbsthass, Trauer, h\u00e4usliche Gewalt, welche er in <strong>Letzte Chance<\/strong> in Form von Gewalt seines Stiefvaters beschreibt, Beziehungsproblemen, die in <strong>Liebe<\/strong> thematisiert werden und Drogensucht. Eben diese schl\u00e4gt einem auf dem Album besonders auf den Magen, denn eingefleischte K.I.Z- und Tarek-Fans wissen, dass der Rapper eine Drogenvergangenheit hat. Vor allem in <strong>Wei\u00dfer Drache<\/strong> verarbeitet er diese in dem er den Kokain-Rausch mit einem Ritt auf einem Drachen gleichsetzt und wie dieser ihn zu Boden ringt und letztendlich fertig macht. Die wenigen Lichtblicke in der tristesten Aura des Albums, wie eben bereits erw\u00e4hnt, enthalten allerdings dennoch hier und da gewaltverherrlichende und gesellschaftskritische Zeilen und Metaphern.  <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large\"><p><strong>&#8222;Der Pelz, den sie tr\u00e4gt, ist von einem Tier namens \u201eCalvin Klein\u201c. Und in ihrem Heimatland leben die Menschen in Zelten aus Stein.&#8220; <\/strong><\/p><cite>aus: &#8222;Nubischer Prinz&#8220;<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Als G\u00e4ste holt sich <em>Tarek<\/em> lediglich drei K\u00fcnstler auf seine Platte. Zum Einen seine K.I.Z.-Kollegen <em>Nico<\/em> und <em>Maxim<\/em> auf den wirklich stimmigen Song <strong>K.I.Z. f\u00fcr immer<\/strong>. Also eine sehr deutliche Aussage in Richtung aller Fans, die Gruppe bleibt bestehen und Tarek hat sich bei dem Album haupts\u00e4chlich selbst therapiert und einmal ein Experiment gestartet. <em>Miss Platnum<\/em> ist der zweite Gast und verleiht ihrem Part auf <strong>Nubischer Prinz<\/strong> einen gewissen Flair, der so auch wirklich nur auf diesen Track passt. An anderen Stellen des Albums w\u00e4re die K\u00fcnstlerin definitiv fehl am Platz gewesen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Sound der Platte ist vielleicht nicht einzigartig, aber dennoch alles andere als Mainstream. Die traurige Stimmung, die mehr oder weniger das gesamte Album umgibt, ist allgegenw\u00e4rtig. Die Beats klingen sehr vertr\u00e4umt und melancholisch und erschaffen eine sehr eigene Atmosph\u00e4re. Vor allem die Autotune-Nutzung ist eines der essenziellen Stilmittel auf dem Album. <em>Tarek<\/em> sagte dazu selbst, dass er das manchmal ach so verhasste Autotune so viel nutze, weil er seinen Sound sehr gerne habe und sch\u00f6n findet. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large\"><p><strong>&#8222;Jedes Mal, wenn ich den Text anfang&#8216;, verschwimmt die Schrift. Dein K\u00f6rper war ein Gef\u00e4ngnis, du bist endlich frei.&#8220; <\/strong><\/p><cite>aus: &#8222;Fr\u00fchlingstag&#8220;<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Insgesamt kann man ohne weiteres behaupten, dass<em> Tarek<\/em> das &#8222;Solo-Leben&#8220; definitiv gut tut. Auf diese Weise hatte er die M\u00f6glichkeit seiner m\u00f6glicherweise angestauten Last ganz alleine freien Lauf zu lassen. Den Fans hat er mit dem K.I.Z.-Song auf seinem Album eine ganz klare Message da gelassen, sodass sich diese keinesfalls Gedanken \u00fcber eine Trennung machen m\u00fcssen. Ihm gelingt es den Zuschauer bzw. Zuh\u00f6rer sehr stark zum Nachdenken anzuregen und jedem, der sich auch nur ann\u00e4hernd einmal so gef\u00fchlt hat oder in Zukunft vielleicht auch einmal so f\u00fchlt, eine Plattform gegeben, um sich verstanden zu f\u00fchlen. Auch wenn so manche Aussagen des <em>Nubischen Prinzen<\/em> ab und zu \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dfen. Aber das haben K.I.Z. ja auch schon oft bewiesen. Tarek bleibt somit seiner Linie treu und hat mit <strong>&#8222;Golem&#8220;<\/strong> ein Werk geschaffen, welches sich auf jeden Fall durch treffendes Songwriting, atmosph\u00e4rische Musik und doppeldeutige Aussagen, die zum Nachdenken anregen, bereits jetzt zu den Alben des (noch so jungen) Jahres 2020 gesellt. Es t\u00e4te seiner Karriere also keinen Abbruch, wenn er auch in Zukunft alleine Musik produzieren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>von Lennart Fitzler<\/em>     <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nSolokarrieren sind meistens schwierig zu stemmen. Besonders wenn man zuvor einer Gruppe&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/2020\/02\/09\/ich-bin-in-schlechter-gesellschaft-wenn-ich-alleine-bin-nie-mehr-modusmio\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;&#8222;Ich bin in schlechter Gesellschaft, wenn ich alleine bin&#8220; &#8211;  &#8222;Nie mehr ModusMio!&#8220;&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":220,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pbpTmU-9V","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/615"}],"collection":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/220"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=615"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/615\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1067,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/615\/revisions\/1067"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/ju22-online-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}