{"id":2149,"date":"2018-04-20T12:44:09","date_gmt":"2018-04-20T10:44:09","guid":{"rendered":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/kunstundkoeln\/?p=2149"},"modified":"2018-04-20T13:40:28","modified_gmt":"2018-04-20T11:40:28","slug":"alles-andere-als-mehrwert-fuer-den-kunsthandel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/kunstundkoeln\/2018\/04\/20\/alles-andere-als-mehrwert-fuer-den-kunsthandel\/","title":{"rendered":"Alles andere als Mehrwert f\u00fcr den Kunsthandel"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Halle 11, Stand B23. In der Luft liegt der Duft von schwerem Parfum. Menschen kommen und gehen, bleiben mal k\u00fcrzer, mal l\u00e4nger stehen. Menschen, die sich vermutlich in Kaffeeh\u00e4usern treffen w\u00fcrden. Weit vom Durchschnittsb\u00fcrger entfernt. Ernste Blicke sieht man selten, die Stimmung gel\u00f6st, au\u00dfer man spricht \u00fcber Umsatzsteuer \u2013 wirklich ein Thema einer Messe, bei der es eigentlich um die sch\u00f6nen K\u00fcnste geht? Es ist Tag Eins der ART COLOGNE 2018. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Ein alter Mann und eine deutlich j\u00fcngere Dame l\u00e4cheln vom Tisch vor einer Ausstellung den Leuten zu. Es sind die Galeristen des Standes Valentien, Dr. Freerk C. Valentien und seine Tochter Imke Valentien. Beide leben von und durch die Kunst. Die ART COLOGNE ist f\u00fcr sie ein Zusammenkommen mit Artgenossen. Ein freudiger Anlass sich hier mit Seinesgleichen zu treffen, m\u00f6chte man meinen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Die W\u00f6rter Politik und Steuer lassen das L\u00e4cheln der Galeristin allerdings deutlich erstarren. Der 2014 erh\u00f6hte Mehrwertsteuersatz steht im Raum. Das Thema l\u00f6st bei der zuvor positiv gestimmten Kunsth\u00e4ndlerin Unbehagen aus. Die Stimmung am Tisch wird ernster. Imke Valentien sieht sich im Vergleich zu anderen Branchen stark benachteiligt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Der Mehrwertsteuersatz f\u00fcr den <\/span><span lang=\"de-DE\">gewerblichen Kunsthandel<\/span><span lang=\"de-DE\"> wurde im Jahre 2014 von 7, auf 19 Prozent angehoben, w\u00e4hrend er beispielsweise f\u00fcr die Unterhaltungs- und Literaturbranche weiterhin auf dem niedrigeren Satz verblieb. Ein gro\u00dfes Problem f\u00fcr Menschen wie Imke Valentien und ihren Vater, die mit dem Kunsthandel ihren Lebensunterhalt verdienen. \u201eDas sind 12 Prozent mehr Verlust und wir k\u00f6nnen den Wert des Kunstwerkes nicht einfach dementsprechend endlos nach oben setzen.\u201c Der Fokus der Galeristin ist binnen weniger Minuten von Kunst zu Kulturpolitik gewechselt. Es wird deutlich,&nbsp;wie ihr Enthusiasmus f\u00fcr das Thema w\u00e4chst.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Der Verband greift das Thema auf<\/span><\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Kristian Jarmuschek, Vorsitzender des Bundesverbands deutscher Galeristen und Kunsth\u00e4ndler, rei\u00dft das Thema in der Pressekonferenz zur Er\u00f6ffnung der ART COLOGNE an. Die Besteuerung erkl\u00e4rt er so: 2014 trat ein EU-Beschluss in Kraft, der Kunstwerke von der Liste der zu f\u00f6rdernden Werke streicht. Das hat zur Folge, dass in EU-L\u00e4ndern nicht mehr der erm\u00e4\u00dfigte Mehrwertsteuersatz, sondern der Regelsteuersatz gilt. In Deutschland ist dieser mit 19 Prozent allerdings h\u00f6her als in manch anderen Mitgliedsstaaten. Dadurch werde weniger Kunst in Deutschland gehandelt und \u00f6fter im Ausland verkauft, stellt Jarmuschek fest. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Kunsth\u00e4ndler, dem Regelsteuersatz zu entgehen, bietet in Deutschland die Margenbesteuerung. Hierbei haben Kunsth\u00e4ndler die M\u00f6glichkeit, lediglich 30 Prozent des Verkaufspreises, mit dem Regelsteuersatz zu versteuern. Ein Beispiel aus dem deutschen Steuerrecht: Wenn ein Kunstwerk mit einem Verkaufswert von 1.000 Euro mit 19 Prozent Mehrwertsteuer versteuert wird, so kostet dieses 1.190 Euro. Nutzt man dagegen die Margenbesteuerung, so unterliegen nur 30 Prozent des Verkaufspreises, also lediglich 300 Euro, dem Umsatzsteuersatz von 19 Prozent. Das macht 57 Euro. Eine Differenz von 133 Euro zum Gesamtbetrag. Der Haken an der Sache ist allerdings der Verkaufspreis. Denn die Margenbesteuerung findet nur Anwendung bei Kunstwerken bis zu einem Verkaufswert von 500 Euro und bei Werken, bei denen der Preis nicht bestimmt werden kann. Damit wird also nur ein sehr kleiner Teil des Kunsthandels abgedeckt, der in der Regel h\u00f6herpreisige Werke, oft bis in den Millionenbereich, handelt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Das Problem des&nbsp;EU-Beschluss ist, dass nur sechs Mitgliedsstaaten einen geregelten Kunstmarkt relevanter Gr\u00f6\u00dfe haben, sagt Jarmuschek. F\u00fcr den Gro\u00dfteil der L\u00e4nder ist es also nicht relevant, wie Kunstwerke besteuert werden, da der Markt nicht besteht, oder nicht gro\u00df genug ist. Kurzgefasst kann man sich das in etwa so vorstellen: Ein Land wie Rum\u00e4nien, in dem es keinen so geregelten Kunstmarkt wie zum Beispiel in Deutschland gebe, habe ein gr\u00f6\u00dferes Interesse an einer neuen Autobahn oder einem neuen Krankenhaus, als an der Besteuerung von Kunstwerken. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Kunst sei laut Galeristin Valentien nicht nur eine Option Geld anzulegen und daraus Kapital zu schlagen, sondern habe essenzielle Bedeutung f\u00fcr das Leben. Galeristen und H\u00e4ndler aus Deutschland w\u00fcrden jetzt massenhaft den deutschen Markt meiden und ihre Kunstwerke lieber im Ausland pr\u00e4sentieren und verkaufen. Denn der Umsatzsteuersatz passt sich dem vorgegebenen Regelsteuersteuersatz des jeweiligen Landes an.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Politiker aktivieren<\/span><\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">Valentien sucht den direkten Dialog zu all jenen Politikern, die sich dieser Bedrohung des Kunstmarktes in Deutschland und Europa nicht bewusst sind, oder denjenigen, die es nicht wahrhaben wollen. \u201eJeden Politiker mit dem ich spreche, belabere ich\u201c, merkt die Galeristin an. Das Engagement, das sie f\u00fcr die politische Umsetzung von Kunstthemen und insbesondere das Umsatzsteuer-Thema hat, wird mit jedem Satz den Valentien sagt deutlicher. Doch die Finanzminister entscheiden bei jeder Debatte, wenn sie denn stattfindet, erneut f\u00fcr die erh\u00f6hte Mehrwertsteuer im gewerblichen Kunsthandel. Die Strukturen des Kunstmarktes seien Finanzpolitikern eben nicht bewusst. Der Handel von Kunst in Deutschland werde durch die Gesetze von 2014 in immenser Weise behindert. \u201eEs ist wie ein Exodus des deutschen Handels\u201c, erkl\u00e4rt Valentien. Klare Worte einer Frau, die den deutschen Kunstmarkt seit klein auf durch ihren Vater mitverfolgen konnte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><em>Daniel Nelsen &amp; Georg Bertram<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nHalle 11, Stand B23. 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