{"id":2240,"date":"2018-04-20T17:13:45","date_gmt":"2018-04-20T15:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/kunstundkoeln\/?p=2240"},"modified":"2018-04-20T17:24:52","modified_gmt":"2018-04-20T15:24:52","slug":"art-cologne-verunsicherte-kunst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/journalcologne.hmkw.de\/kunstundkoeln\/2018\/04\/20\/art-cologne-verunsicherte-kunst\/","title":{"rendered":"Ver(un)sicherte Kunst"},"content":{"rendered":"<p>Es herrscht Unsicherheit auf dem Marktplatz Kunst. Fragen nach der sogenannten Provenienz \u2013 der Herkunft und den Eigentumsverh\u00e4ltnissen von Kunst- und Kulturg\u00fctern sind in den K\u00f6pfen von Kunstsammlern, -h\u00e4ndlern und Galeristen st\u00e4ndig pr\u00e4sent. Andere reiben sich die H\u00e4nde: Kunstversicherer k\u00f6nnen aus der Unsicherheit Kapital schlagen.<\/p>\n<p>Im Europasaal der Koelnmesse wird an diesem Morgen (20.04.2018) debattiert. Im Zusammenhang mit der Kunstmesse ART COLOGNE findet das 7. K\u00f6lner Kunstversicherungsgespr\u00e4ch statt. Es geht um angebliche NS-Raubkunst, das Versagen des Staates im Hinblick auf den Kunstmarkt und die Unsicherheit, die daraus hervorgeht.&nbsp;<\/p>\n<p>Fast alle St\u00fchle sind besetzt. \u00dcber 200 Menschen sind gekommen, um mit Experten aus dem Sektor Kunst zu diskutieren und aus ihren Erfahrungen zu sch\u00f6pfen.&nbsp;<\/p>\n<p><b>Der Fall Gurlitt<\/b><\/p>\n<p>Einer der Experten ist der Journalist Maurice Philip Remy. 2013 produzierte er einen Dokumentarfilm \u00fcber die Gurlitt-Aff\u00e4re und ver\u00f6ffentlichte im vergangenen Jahr ein Buch zum Fall. Die Hintergr\u00fcnde:&nbsp; Im Februar 2012 beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Augsburg \u00fcber 1.000 Werke aus der Gurlitt-Sammlung. Sp\u00e4ter wurden noch mehr gefunden \u2013&nbsp; 1.566 insgesamt.&nbsp; Der Verdacht der Staatsanwaltschaft: Es k\u00f6nne sich um Nazi-Raubkunst handeln.&nbsp;<\/p>\n<p>Remy, der Cornelius Gurlitt noch pers\u00f6nlich kennengelernt hatte, ist emp\u00f6rt. \u201eDas war eine Privatsammlung. Das zeigt die Unf\u00e4higkeit der Moderne\u201c, positioniert er sich. Er beteuert, dass bis heute nur ein Kunstwerk eindeutig als Nazi-Raubkunst klassifiziert worden w\u00e4re. Ein Weiteres sei noch nicht best\u00e4tigt. Laut Medienberichten von Ende letzten Jahres seien es sechs.&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Remy m\u00fcssten also&nbsp;alle Kunsth\u00e4ndler aus der Zeit von 1933 bis 1945 genau \u00fcberpr\u00fcft werden. \u201eEinfach, weil die M\u00f6glichkeit bestand, dass es sich bei den gehandelten Werken um Kunstraub der Nazis gehandelt haben k\u00f6nnte.<b> <\/b>Jetzt m\u00fcssen die Kunsth\u00e4ndler aufarbeiten, was der Staat in den letzten 70 Jahren vers\u00e4umt hat\u201c, schimpft Remy.<\/p>\n<p><b>Der Staat am Pranger<\/b><\/p>\n<p>In dem mehr als zweist\u00fcndigen Gespr\u00e4ch beziehen die Akteure Position. Sie scheuen sich nicht ihr Anliegen klar und deutlich zu benennen: Eine Lobby f\u00fcr den Kunsthandel.&nbsp;<\/p>\n<p>Das will auch Karin Schulze-Frieling von der Galerie Utermann aus Dortmund. Sie beschreibt die gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr Kunsth\u00e4ndler in Deutschland. Es gehe nicht nur darum, dass H\u00e4ndler sich mit der Provenienz, also der Herkunft&nbsp; besch\u00e4ftigen m\u00fcssen, sondern auch die \u00dcberpr\u00fcfung der Echtheit sei ein zentrales Thema. Schulze-Frieling fordert: \u201eDer Staat soll die Vorreiterrolle einnehmen und Dinge wieder an seinen Ort f\u00fchren\u201c.&nbsp;<\/p>\n<p>Eine bei der sich alles um die Herkunft von Kunst dreht, ist Amelie Ebbinghaus. Die M\u00fcnchenerin arbeitet beim Art Loss Register in London als Provenienzforscherin. Ihrer Meinung nach muss zwischen privater und staatlicher Kunst klar unterschieden werden. Im Handel und somit auf dem Kunstmarkt vertreten, seien meist nur private Objekte. Hier Historischer Kunst eine durchgehende Besitzkette nachzuweisen, sei so gut wie unm\u00f6glich. F\u00fcr staatliche Kunst gelte das nicht. Hierf\u00fcr br\u00e4uchte es nach Ebbinghaus jedoch Gesetze, die feste Regeln besagen. &nbsp;<\/p>\n<p><b>Unsicherheit als Gesch\u00e4ft<\/b><\/p>\n<p>Mehr Gesetze bedeuten f\u00fcr die Einen Orientierung. F\u00fcr die Anderen jedoch Einschr\u00e4nkung. Gro\u00dfe Versicherer, wie Allianz, ERGO und Co. sind bekannt f\u00fcr Kranken- oder Haftpflichtversicherungen. Sie bieten aber auch Versicherungen f\u00fcr Kunstwerke an. Dabei ist \u201eein Versicherer kein Provenienzforscher\u201c, erkl\u00e4rt Julia Barbara Ries, Abteilungsleiterin f\u00fcr Kunstversicherung bei der ERGO. Trotzdem unterst\u00fctzt sie die Forderung nach einem staatlichen Rahmen f\u00fcr Orientierung und Sicherheit im Kunsthandel. Gleichzeitig sind Zeiten der Unsicherheit jedoch goldene Zeiten f\u00fcr Versicherungen. Denn um Unsicherheiten einzud\u00e4mmen wird m\u00f6glichst viel, m\u00f6glichst hoch versichert. Dennoch, gegen Beschlagnahmungen wie im Fall Gurlitt helfen auch Versicherungen nicht weiter.&nbsp;<\/p>\n<p><i>Alina Liertz &amp; Yvonne Zwirnmann<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nEs herrscht Unsicherheit auf dem Marktplatz Kunst. 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