Abend der Medienwissenschaft

v.l.: Dieter Anschlag (Medienkorrespondenz) und Christian Gramsch (Deutsche Welle Akademie)

v.l.: Dieter Anschlag (Medienkorrespondenz) und Christian Gramsch (Deutsche Welle Akademie)

Der Fachbereich Journalismus und Kommunikation der HMKW Köln unter Leitung von Prof. Dr. Hektor Haarkötter hatte erneut zum Abend der Medienwissenschaften geladen. Die öffentliche Podiumsdiskussion wurde von Prof. Dr. Hektor Haarkötter und Dr. Matthias Kurp, der an der HMKW Medien- und Kommunikationswissenschaft unterrichtet, organisiert. Im Zentrum stand die Frage, ob man Fernsehkritik lernen könne. Geladen waren mit Dieter Anschlag und Christian Gramsch zwei erfahrene Medienvertreter, die mit teilweise konträren Meinungen eine lebhafte Diskussion entfachten.

Gramsch, der in seiner Einzelvorstellung als Leiter der Deutsche Welle Akademie die Bedeutung der Medien für die Durchsetzung von Menschenrechten hervorhob, vertrat die Meinung, dass Quoten dämonisiert würden, wo sie doch das tatsächliche Nutzungsverhalten von Medienkonsumentinnen und –konsumenten abbildeten. Wer als Journalist „nicht genutzt“ werden wolle, der solle doch gleich wieder nach Hause gehen, so sein provokant formulierter Appell. Die Fokussierung auf Quote kritisierte Anschlag an werbefinanzierten Mediendiensten wie dwdl.de, die im Gegensatz zu der von ihm geleiteten Redaktion von „Medienkorrespondenz“ wenig kritisch berichteten und Qualität anhand der Quote festmachten. Dass die Ansprüche der Medienkultur nicht zwangsläufig denen der –nutzer/innen entsprechen, darin waren sich dennoch alle einig.

Die Entwicklung des Fernsehens und der Fernsehkritik ist schwer vorhersehbar. Verdrängt die Anpassung an Nutzergewohnheiten, wie sie durch private, aber mittlerweile auch öffentlich-rechtliche Medienhäuser analysiert werden, die Vielfalt in der Medienproduktion, wenn nur noch die meistgenutzten Formate reproduziert werden, wie Anschlag fürchtet? Oder besteht die Gefahr eher darin, dass „elitäre“ Programmplanung an den Wünschen von Medienkonsumentinnen und –konsumenten vorbeizielt? Ein Mittelweg müsse gefunden werden. Dazu gehört dann auch, dass ein Dienst wie die „Medienkorrespondenz“ sich heute auch Netflix- und YouTube-Kritik widmet, und vielleicht sogar, dass RTL-Redaktionsmitglieder zeitweise in Brennpunktviertel ziehen, um die Lebenswirklichkeit ihrer größten Nutzergruppe kennenzulernen.

Mit Fragen aus dem größtenteils studentischen Publikum – und hier waren interessierte Vertreter/innen aller HMKW-Fachbereiche zugegen – und von den Moderatoren Prof. Dr. Hektor Haarkötter und Dr. Matthias Kurp gestaltete sich die etwa zweistündige Veranstaltung äußerst kurzweilig.

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